Aufruf zum Frauenkampftag

(alle Infos zu Veranstaltungen auf Frauenkampftag)

Kein Kampf ohne uns, Frauen im Widerstand!

„Frauen in Deutschland sind superemanzipiert!“ So zumindest würden das wahrscheinlich die meisten öffentlichen Medien entweder durch eine Dokumentation oder in einer Kolumne über das Leben verschiedener Frauen darstellen wollen, wenn der Staat ihnen auftragen würde, über die heutige Situation der Frauen in Deutschland zu berichten.

Was sagt die Realität?

In Wahrheit sieht man Frauen im Fernsehen und in Zeitungen meist nur, wie sie sich entweder als naiv und süß oder als extrem sexy zeigen. Sie schieben sich auf Werbeplakaten genüsslich einen Schokoriegel in den roten Kussmund oder lecken mit Stöhngeräuschen einen Jogurtlöffel ab. Nebenher erziehen sie ihre kleinen niedlichen Kinder und erfinden den Haushalt praktisch neu, ohne dabei zu vergessen, wie das mit der Mode und dem Lächeln geht. Außerdem sind sie mittlerweile auch die neuen Arbeitsmaschinen unserer Zeit und sollen im Abendkleid und mit Babybauch auf der Karriereleiter einer beliebigen Firma immer höher klettern, um die allseits beschworene Frauenquote zu erfüllen. Dieser Zustand ist natürlich von ihnen selbst gewollt, was also heißt, dass hier in der westliche Welt keine Debatten mehr über Emanzipation geführt werden müssen, da alles so in Ordnung sei, wie es ist.

Wozu dieses Theaterspiel, wozu der ganze Aufwand, ein Bild in den vielschichtigsten Farben zu malen, wenn Fakten doch so eindrücklich sind, wie in wenigen Bereichen?! Es ist bekannt, dass Frauen durchschnittlich 23% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. JedeR kann ohne größere Anstrengungen erahnen, dass Frauen mit ihrer doppelten Ausbeutung (Hausarbeit und Lohnarbeit) nicht zufrieden sind und durch die gesellschaftlichen Standards, die von ihnen erwartet werden, weit entfernt davon sind, sich selbst verwirklichen zu können. Alle kennen die Erzählungen von Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die ihnen erzählen, wie unverschämt und dreist sie immer wieder von Männern angemacht werden und das Wort „Nein“ plötzlich etwas Unverständliches zu sein scheint.

Dass Frauen vor unserer Zeit schon vieles erreicht haben, ist unbestritten. Doch solange wir in diesem kapitalistischen System leben, dessen Sinn es ist, durch Unterdrückungsmechanismen wie u.a. das Patriarchat immer mehr Profit anzuhäufen, ist es notwendig, Widerstand zu leisten, wenn Frauen wirklich befreit und emanzipiert leben wollen!

Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass dies auch möglich ist. So kämpften und kämpfen Frauen Seite an Seite mit Männern, auch an der Waffe, für eine emanzipatorische freie Gesellschaft. Trotz ihres Auftretens und Wirkens wurden sie oft nicht von ihren männlichen Mitstreitern als gleichwertig angesehen, was man schon daran sieht, dass es viel mehr Denkmäler für Partisanen gibt, als für Partisaninnen. Teils spielten sie aber von jeher nicht nur eine gleichberechtigte, sondern eine herausragende Rolle, indem sie auch ihre eigenen Anliegen unübersehbar in alle öffentlichen Diskurse trugen und tragen.

Widerstand gestern in Europa

Der eine Teil lässt sich exemplarisch am Partisanenkrieg erklären. Er umreißt die Zeit des faschistischen Europas, gegen dessen Ideologie sich unterschiedlichster Widerstand in ganz Europa erhob. Um dem Grauen des Krieges entgegenzutreten, vernetzten sich die Frauen und beteiligten sich am Aufbau von PartisanInnenlagern, durch Waffenschmuggel, Nachrichtenüberbringung, den Schutz und das Aufnehmen Verfolgter oder als Fluchthelferinnen.

Diese Frauen übten eine Art „verdeckten“ Widerstand aus, er war nicht öffentlich sichtbar, aber trotzdem wirksam. Der Widerstand von Frauen wie Sophie Scholl oder Gerda Taro ist damals wie heute bekannt. Sophie Scholl beteiligte sich innerhalb der „Weißen Rose“, einer Gruppe von Studierenden, an Flugblattaktionen, um die Bevölkerung über Hitler und seine Machenschaften aufzuklären. Gerda Taros großes Werk bestand in ihrer einzigartigen fotographischen Dokumentation des spanischen Bürgerkrieges, der eine Folge des aufkommenden Faschismus in Spanien war.

All diese Frauen ignorierten die damalige Norm der unpolitischen zurückhaltenden Frau. Heute gilt es, an dem anzuknüpfen, was damals schon einmal überwunden wurde, da die Frauen nach dieser Zeit wieder zurück in das bestehende Rollenbild gedrängt wurden.

Widerstand heute international

In Mexiko tritt seit über einem Jahrzehnt die EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional – deutsch: Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Chiapas, einer der ärmsten Bundesstaaten in Südmexiko, ein. Sie kämpfen für das vollständige Recht auf indigene Selbstverwaltung, Rechte und Kultur und gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der mexikanischen Regierung.

Frauen setzten schon vor den ersten Kämpfen der EZLN, im Organisierungsprozess die revolutionären Frauengesetze durch, die das Recht auf gleichberechtigte politische Beteiligung, auf Arbeit und auf Selbstbestimmung des eigenen Körpers beinhalteten. Damit machten sie auf die spezielle Situation der Frau aufmerksam.

Die mexikanische Regierung unterdrückte Frauen gezielt, indem sie beispielsweise in staatlichen Krankenhäusern nach Entbindungen unfreiwillige Zwangssterilisierungen vornahmen, um der Fortpflanzung der indigenen Bevölkerung vorzubeugen. Nach staatsmilitärischen Einsätzen in indigenen Gebieten fanden Massenvergewaltigungen statt, wobei Frauen für die Soldaten als „Kriegstrophäen“ galten.

Außerdem litten sie unter den patriarchalen Strukturen ihrer eigenen Kultur, nach der Frauen sehr jung zwangsverheiratet wurden und die Hauptverantwortlichen für Kinder und Haushalt waren; zudem hatten sie keinerlei Mitspracherecht in der Gemeindepolitik. Als man jedoch anfing, die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung zu thematisieren, fassten Frauen auch den Mut, ihre spezifische Unterdrückung in dieser Situation zu äußern und machten deutlich, dass beide Arten von Unterdrückung zusammenspielen und damit auch zusammen gelöst werden müssen. Als Resultat, wurden sie ebenso wie ihre männlichen Mitstreiter in allen Positionen anerkannt, bildeten Frauenkomitees und Hilfsorganisationen für von Gewalt betroffene Frauen. Heute ist ihr Ziel, diese Errungenschaften als Grundlage für weitere Schritte zu nehmen und in allen indigenen Gemeinden Mexikos zu verbreiten, um gemeinsam mit der Befreiung der indigenen Bevölkerung die Befreiung der Frau zu erreichen.

Ein weiteres Beispiel ist Rojava, ein Gebiet in Westkurdistan (Nord-syrien), in dem die Menschen versuchen, entgegen der imperialistischen Mächte ein neues fortschrittliches Gesellschaftssystem zu errichten. Die lokalen Rätestrukturen greifen die Interessen aller auf, ob Jugend oder Frauen. Alltägliche Arbeiten werden kollektiv bewältigt und es gibt Ansätze, die Produktionsmittel zu vergesellschaften. Bei diesem Aufbauprozess nehmen Frauen eine elementare Rolle ein, daher muss der prozentuale Anteil an Frauen in allen Komitees mindestens 40% betragen. Um zu gewährleisten, dass die Anliegen der Frauen grundlegend thematisiert werden, gibt es eigene Frauenräte, in denen nur Frauen zusammenkommen, wodurch ein gewisser Schutzraum geschaffen wird. Diese Linie wird auch im bewaffneten Kampf verfolgt, denn es gibt nicht nur eine allgemeine kurdische Verteidigungsstruktur (YPG), sondern zudem eine, in der nur Frauen kämpfen (YPJ), mit eigenen Ausbildungslagern und eigenen Einheiten, sodass sie eine voll- und eigenständige Verteidigungsstruktur bilden. Hier sind Frauen also sowohl auf organisatorischer Ebene, in Räten, als auch auf ausführender Ebene in der YPJ in gleicher Weise wie Männer beteiligt und anerkannt.

Unsere Antwort!

Anhand der Beispiele der Frauen in der EZLN, im Aufbauprozess in Rojava und im Widerstand gegen den Faschismus wird klar, dass Frauen immer eine Rolle in aktuellen gesellschaftlichen Prozessen spielen und diese Rolle auch immer den generellen Entwicklungsstatus einer Bewegung widerspiegelt. In vielen Teilen der Welt lehnten und lehnen sich Frauen gegen ihre besondere Unterdrückung innerhalb des patriarchalen Systems auf.

Im Partisanenkrieg waren Frauen zwar aktiv, jedoch nicht voll anerkannt. Trotzdem ließen sie sich nicht davon abhalten, das umzusetzen, was ihrer Ansicht nach notwendig war und erkämpften sich damit ihren unabdingbaren Platz in der Geschichtsschreibung.

Bei der EZLN, in Mexiko lehnten sich Frauen gezielt gegen jede Form der Unterdrückung, auch in den eigenen Reihen auf. Sie erlangten so Stück für Stück Gleichberechtigung und Schutz, den sie nun weiter ausbauen und unter den Frauen in den befreiten Gebieten Mexikos verbreiten.

Und zuletzt können wir anhand von Rojava sehen, dass die vollständige Anerkennung der Frau sowohl in ihrem Leben als auch in ihrer politischen Arbeit, möglich ist und die gesamte Entwicklung voranbringt.

Drei Beispiele, die anhand der jeweiligen sozialen, politischen und ökonomischen Gegebenheiten analysiert werden müssen. Sie zeigen, dass Widerstand nötig und auch möglich ist. Auch hier vor Ort gilt es sich mit der besonderen Unterdrückung der Frau auseinander zu setzen, Strategien und Strukturen zu entwickeln, um uns gegen jede Fessel und Ausbeutungen zur Wehr zu setzen. Dabei ist natürlich in allererster Linie notwendig, dass wir uns nicht von dem Theaterspiel des Kapitals blenden lassen, sondern erkennen, wie die Mechanismen funktionieren, um sie letztlich außer Kraft zu setzen und ein System zu errichten, das es allen Menschen ermöglicht, gleichberechtigt ohne jegliche Unterdrückung zu leben!

Auf unserem Weg dorthin fordern wir, dass Frauen für gleiche Arbeit gleichen Lohn verdienen. Wir wollen uns nicht weiter in das Bild der „perfekten Frau“ einzwängen lassen. Und wir fordern alle Frauen und Männer dazu auf, bei sexistischen Sprüchen, strukturellen Sexismus oder gar sexualisierter Gewalt einzugreifen und sich dem entgegenzustellen!

Internationale Solidarität mit allen Frauen, die für ihre Befreiung und eine befreite Gesellschaft kämpfen!