Eine Welt zu gewinnen – Kurzbericht zum Revolutionären 1. Mai 2015

+++ 250 in Antikapitalistischem Block auf der Gewerkschaftsdemo +++ 750 auf Revolutionärer Demo +++ Feuerwerk und Transpi-Aktion +++ Demo setzt sich gegen Polizei-Provokationen durch +++ mehrere Hundert feiern beim Internationalistischen 1. Mai-Fest im Linken Zentrum Lilo Herrmann +++

Der 1. Mai begann in Stuttgart um 10 Uhr mit der DGB-Demo am Marienplatz. Mehrere linke und revolutionäre Gruppen, sowie Gewerkschaftsjugenden und -gliederungen hatten dort zum Antikapitalistischen Block aufgerufen. Etwas mehr als 250 Leute beteiligten sich an ihm, unter ihnen auch die Vertrauensleute von Daimler-Untertürkheim. Mit kämpferischen Parolen, thematischen Schildern, einem eigenen Lautsprecherwagen, Fahnen und Konfetti war der Block der lebendigste Ausdruck der Demo.

Kurz vor der Abschlusskundgebung am Marktplatz, setzte sich ein Großteil des Antikapitalistischen Blocks von der offiziellen Route ab und zog als Spontandemo über die Königsstraße zum Auftakt der Revolutionären 1. Mai-Demonstration am Schlossplatz. So gelang es schikanöse Vorkontrollen zu verhindern.

Trotz anhaltendem Regen, sammelten sich auf dem Schlossplatz nach und nach mehr als 750 Menschen. Die mittlerweile 12. Revolutionäre 1.Mai-Demonstration in Stuttgart, versuchte dieses Jahr u.a. an die lokale Geschichte der revolutionären ArbeiterInnen-Bewegung anzuschließen und so beinhaltete die Route beispielsweise den ehemaligen Sitz der lokalen KPD-Zeitung und späterem Ort eines mörderischen rassistischen Brandanschlags in der Geissstraße, die Liederhalle in der 1907 der „Internationale Sozialisten Kongress“ stattfand oder auch den kurzzeitigen Wohnsitz Lenins in der Furtbachstraße. In verschiedenen Reden, wurden u.a. die aktuellen rassistischen Massenmobilisierungen, die geplanten Proteste gegen den G7-Gipfel in Elmau, die 129a und b Verfahren die aktuell auch in Stuttgart laufen und Arbeitsdruck im Kapitalismus thematisiert. Nach Beendigung der Demo hielt eine vermummte Vertreterin der Revolutionären Aktion Stuttgart eine weitere Rede, in der sie die Notwendigkeit revolutionärer Organisierung und die Bedeutung der kämpfenden kommunistischen „Internationalen Brigade“, die an der Verteidigung Rojavas beteiligt ist, hervorhob.

Trotz schlechtem Wetter war die Stimmung gut. Lautstarke Parolen, Rauch-Bengalos oder auch ein großes Transparent das am Rande, inklusive Feuerwerk über einem Tunnel gehisst wurde, sorgten für Stimmung. Als die Polizei am Ende den Weg zum Internationalistischen Fest im Linken Zentrum Lilo Herrmann versperrte, kam es zu einigen Rangeleien, in deren Verlauf die Polizeiketten zwar durchbrochen werden konnten, aber auch der Lauti angegriffen und der Zündschlüssel entwendet, sowie ein Journalist verhaftet wurde. Unter anderem wurde die Fahrerin bei diesem Angriff leicht verletzt. Durch das entschlossene Auftreten der AktivistInnen, die die U-Bahngleise blockierten, wurde aber auch der Lautsprecherwagen bald wieder freigegeben.

Im Anschluss an die Aktivitäten auf der Straße, feierten mehrere hundert Menschen im Linken Zentrum, bei Live-Musik, Brecht-Gedichten und gutem Essen.

Die 12. Mobilisierung zum Stuttgarter Revolutionären 1.Mai in Folge, konnte an die erfolgreichen Aktivitäten der letzten Jahre anschließen. Auch wenn aufgrund des Wetters insgesamt etwas weniger Menschen auf der Straße waren und die Mobilisierung nicht ganz den Umfang des letzten Jahres erreichte, hat der 1.Mai sich als Ort der Zusammenkunft der antikapitalistischen, revolutionären Linken der Region etabliert. Es gilt in den nächsten Wochen hier anzuschließen und den Schwung des 1.Mai in die bayrischen Alpen zu den Protesten gegen den G7-Gipfel in Elmau zu tragen!

Internationaler Frauenkampftag: Flüchtlingsfrauen – Getrieben von Hoffnung, gelandet in Isolation

Anlässlich des Internationalen Frauenkampftages am 08. März veranstaltete die Frauengruppe Stuttgart eine Kundgebung am Marienplatz in Stuttgart und anschließend ein Buffet mit daruaffolgenden Vortrag.

Das Thema der Kampagne war „Flüchtlingsfrauen – Getrieben von Hoffnung, gelandet in Isolation – Lasst uns für ein besseres Leben aller Frauen kämpfen!“.

Denn gerade in Zeiten von PEGIDA und immer neuen rassistischen Mobilisierungen gegen Flüchtlingslager; sind Flüchtlinge, ihre Situation und der rechten Hetze, die sie erfahren in aller Munde. In fast allen Fällen sind die Debatten jedoch nicht konstruktiv, sondern tragen zu dem allgemeinem Rechtsruck der Bevölkerung bei. Dem entgegenzuwirken muss als Aufgabe von linken Strukturen und Bewegungen begriffen werden. Hierbei sollte aber die besondere Lage von Flüchtlingsfrauen nicht vergessen werden – um diesbezüglich einen Beitrag zu leisten, wurde dieses Thema gewählt, unter anderem auch deswegen um die Isolation der Flüchtlingsfrauen hier zu überwinden.

An der Kundgebung nahmen etwa 50 linke AktivistInnen teil, die aus unterschiedlichsten Strömungen zusammenkamen um den Internationalen Frauenkampftag auch in Stuttgart zu begehen. Um die Hintergründe und die Lebensbedingungen von Flüchtlingsfrauen vielseitig beleuchten zu können, verlasen verschiedenste Gruppen Reden zu einzelnen Aspekten.

Das „Offene Treffen gegen Krieg und Militarisierung“ (OTKM) fokussierte sich vor allem auf die Situation der Länder aus denen Menschen momentan hauptsächlich fliehen und benannte die Ursache dafür in dem sie die imperalistischen Kriege anprangerte. Um den hier sich immer weiter zuspitzenden Rassismus gegenüber den Flüchtlingen zu analysieren, hielt das „Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region“ (AABS) eine Rede.

Außerdem meldeten sich auch Flüchtlinge selbst zu Wort indem die Flüchtlingsselbstorganisation „The Voice“ aus ihrer Perspektive die Situation erläuterte.

Zuletzt hielt die Frauengruppe Stuttgart selbst eine Rede, die die frauenspezifischen Fluchtgründe sowie Hürden auf der Flucht und ihre Lebensbedingungen in den Lagern thematisierte.

Des weiteren wurde der Marienplatz mit frauenkämpferischen Parolen mittels Kreide verschönert.

Thematisch passende Stellwände sollten sowohl PasantInnen als auch die TeilnehmerInnen der Kundgebung die Möglichkeit geben Einblicke in die frauenspezifischen Fluchtgründe und Problematiken auf der Flucht sowie der Situation hier vor Ort, zu gewinnen.

Außerdem wurden rote Nelken als Symbol linken Widerstands an alle teilnehmenden Frauen verteilt.

Nach dem Ende der Kundgebung ging ein Großteil der linken AktivistInnen in das Linke Zentrum Lilo Herrmann, denn dort gab es zunächst zur Stärkung ein Buffet und im Anschluss einen Vortrag zu dem Thema Flüchtlingsfrauen mit anschließender Diskussionsrunde.

Der Internationale Frauenkampftag wurde damit in Stuttgart erfolgreich begangen! Jedoch gilt es kontinuierlich sich mit der Unterdrückung der Frau zu befassen und daran zu arbeiten diese einhergehend mit dem kapitalistischen System aufzulösen. Dafür ist es notwendig, frauenkämpferische Praxis gleichwertig zu antifaschistischen, antimilitaristischen und antikapitalistischen Kämpfen zu führen. Denn Frauenkampf ist Klassenkampf!

Für die weltweite Befreiung der Frau!

8. März: Kampf für ein besseres Leben aller Frauen!

Informationen zu unseren Veranstaltungen findet ihr hier

Flüchtlingsfrauen – Getrieben von Hoffnung, gelandet in Isolation…
Lasst uns für ein besseres Leben aller Frauen kämpfen!

Oft hat man hier vor Ort das Gefühl, dass die meisten Flüchtlinge männlich sind. Statistiken beweisen jedoch das Gegenteil: Etwa 80% der Fliehenden weltweit sind Frauen und Kinder. In Deutschland sind jedoch nur 30% der Flüchtlinge Frauen. Wie kommt es zu solch einem Missverhältnis? Welche Geschichten treiben die Frauen hierher und was erleben sie, wenn sie hier sind?

Aus ihren Heimatländern…
fliehen Frauen meist, weil sie sich mit sexualisierter Gewalt, Zwangsheirat und drohender Genitalverstümmelung konfrontiert sehen. Sexualisierte Gewalt ist weltweit die häufigste Unterdrückungsform gegen Frauen, da in patriarchalen Verhältnissen Frauen auf das Eigentum eines Mannes reduziert werden. Gewalt ist daher die gängigste Form für Männer zu zeigen, dass sie mit einer Frau machen können, was sie wollen. Die Motivation dahinter kann unterschiedlichster Couleur sein. So erfahren Frauen oft genug sexuelle Belästigungen oder Vergewaltigungen innerhalb ihres privaten Umfelds oder von Fremden. In Krisengebieten kann das Vergewaltigen von Frauen jedoch auch gezielte Kriegsstrategie sein. Das aktuellste Beispiel hierfür ist der Terror des „Islamischen Staats“ (IS), der seinen expansiven Angriffskrieg unter anderem finanziert, indem er Frauen als „Sexsklavinnen“ verkauft und im Zuge seiner Angriffe Frauen massenhaft vergewaltigt. Ziele sind neben der eigenen Machtbestätigung die Demoralisierung derjenigen, die sich ihnen unterwerfen sollen.
Die Methodik der Zwangsheirat ist nicht nur, wie hier immer vorgegaukelt wird, im arabischen Raum üblich, sondern reicht bis nach Asien und über ganz Afrika hinweg. Egal ob aus wirtschaftlichen oder machtorientierten Gründen stellt sich diese Tradition gegen jegliche Selbstbestimmung der Frau.
Die meist aus Tradition begangene weibliche Genitalverstümmelung wird bis heute vor allem im westlichen und nordöstlichen Afrika, aber auch im Jemen, Irak, Indonesien und Malaysia praktiziert. Meistens vollzieht sich dieses Verbrechen in der Pubertät der Frauen und führt neben psychischen und physischen Schäden nicht selten bis zum Tod.
Diese Gründe können nur grob die Geschichten der einzelnen Frauen skizzieren. Je nach ihrem sozialen Umfeld oder auch politischen Verfolgungsgründen, fliehen sie allein, mit ihren Kindern oder der ganzen Familie. Das zeigt, dass sie nicht nur bloße Anhängsel des staatlich verfolgten Mannes sind, wie es hier oft dargestellt wird. Es sind meist nur die Frauen, die mit der Familie oder einem Mann fliehen, die es bis hierher schaffen. Der Rest bleibt schlicht und ergreifend auf der Strecke.

…auf einer langen Reise…
werden sie meist erneut mit sexualisierter Gewalt konfrontiert, werden an Grenzposten nicht ernstgenommen und haben oft mit Rückschlägen zu kämpfen, die für sie aufgrund ihres Geschlechts weniger überwindbar sind als für Männer. Viele leben daraufhin ewig in Flüchtlingslagern an Grenzen, auf der Straße, werden entführt oder sterben. Ihr Ziel vom besseren Leben ist praktisch für eine Mehrzahl von ihnen unerreichbar.
Besonders Frauen, die alleine oder nur mit ihren Kindern fliehen, sind schutzlos vor jeglicher Diskriminierung, Demütigung und (sexualisierter) Gewalt. Hier zeigt sich wie sich das männliche Gefühl der Dominanz über Frauen in Fluchtzusammenhängen verstärken kann. Die Täterspanne reicht vom Lageraufseher über männliche Flüchtlinge bis hin zu Polizisten, militärischem Personal, Mitarbeitern von internationalen Hilfsorganisationen und Regierungsangestellten. Weit verbreitet sind auch Banden, die sich in Lagern aufhalten und Frauen zur Prostitution zwingen, gegen ihren Willen verheiraten oder versklaven. Viele Frauen werden auch von vermeintlichen „Rettern“ hinter das Licht geführt, indem diese ihnen vermitteln, dass sie ihnen helfen werden, wenn sie sich ihnen nur anschließen; andere werden entführt.
Möglichkeiten, wie die allseits bekannte und gefährliche Flucht über das Mittelmeer auf völlig überfüllten Schiffen, stehen ihnen aufgrund ihres Geschlechts nur selten zur Verfügung. Sie haben meist zu wenig Kontakte zu Gruppen, die eine solche Flucht organisieren, zu wenig Geld oder werden nicht mitgenommen, da sie von den Organisatoren nicht ernst genommen werden. Wenn sie trotzdem auf ein solches Schiff gelangen, sind sie meistens mit einem Mann unterwegs oder sind allein unter Männern wiederum sexualisierter Diskriminierung, Belästigung oder Gewalt ausgesetzt.

…in Deutschland angekommen?
Leider nicht. Die wenigen Frauen, die all das durchgestanden haben und hierher gelangten, werden nicht nur von rassistischen Asylgesetzen und rechter Hetze empfangen, sondern haben zudem mit dem was sie erlebt haben zu kämpfen. Sie haben keine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und den Traum vom „besseren Leben“ umsetzen zu können.
Das vorrangige Problem, was sich ihnen stellt, ist das der Anerkennung ihrer Fluchtursachen. Zu schwammig sind die Gesetze formuliert, die auf geschlechtsspezifische Fluchtgründe eingehen. Da meist ein politischer oder sozialer Verfolgungshintergrund vorhanden sein muss, um ein Aufenthaltsrecht zu erhalten, werden die Fluchtursachen von Frauen meist nicht als asylrelevant eingestuft. Dies liegt der Tatsache zu Grunde, dass sexualisierte Gewalt teilweise durch Staaten totgeschwiegen oder akzeptiert wird. Oft argumentieren auch Behörden damit, dass das jeweilige Herkunftsland der Frauen für ihren Schutz zuständig ist.
Darüber hinaus ist die Art und Weise des Verfahrens mehr als nur unzureichend, um die persönlichen Geschichten der Frauen fassen zu können. Angefangen bei der Ignoranz der Wirkung von solch traumatisierenden Erlebnissen, geschlechtergemischten Teams, denen die Frauen sich öffnen sollen bis zu den mangelnden sprachlichen Fähigkeiten, alles formulieren und ausdrücken zu können (DolmetscherInnen sind meist nur in geringer Anzahl oder gar nicht verfügbar).
In diesem umfangreichen und ermüdenden Prozedere, noch ewig geschlaucht von der Flucht, verharren Frauen dann in Flüchtlingsunterkünften, deren Bedingungen besonders für sie menschenunwürdig sind.
Oft genug sind Duschen und Toiletten nicht nach Geschlechtern getrennt und häufig sogar nicht abschließbar. Flüchtlingsfrauen berichten daher von männlichen Zuschauern beim Duschen und weiteren sexualisierten Belästigungen. Die Gemeinschaftsräume und Küchen sind meistens männlich dominiert, da die Mehrzahl der Flüchtlinge in solchen Unterkünften Männer sind, sodass sie sich dort oft nicht hinein trauen. Deswegen verbringen Frauen ihre Zeit meist ununterbrochen auf ihren überbelegten Zimmern, die oft nicht verschlossen werden können, d.h. sie können sich selbst dort nicht sicher vor Übergriffen oder Ähnlichem fühlen. Einige Frauen werden sogar von Mitarbeitern der Unterkünfte belästigt. Die wenigen Bildungsangebote wie „Deutschkurse“ können sie ebenfalls nur selten wahrnehmen, da sie für ihre Kinder sorgen müssen und es nur selten Betreuungsangebote für diese gibt. Privatsphäre, Ruhe oder vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten sind Fremdwörter für sie. Sie sind hierher gekommen, um dem zu entrinnen was sie erlebt haben, doch anstatt dies verarbeiten zu können, finden sie sich in regelrechter Isolation wieder. Was ein zumindest vorübergehendes „Zuhause“ werden sollte, kann man daher vielmehr mit einem Leben im Knast vergleichen. Zusammenschlüsse von Flüchtlingen, die sich selbst organisieren, um ihre Lage zu verbessern, sprechen daher nicht von „Unterkünften“, sondern von „Lagern“, in denen sie leben.
Kampf der weltweiten Unterdrückung von Frauen!
Diese besonderen Umstände, denen Flüchtlingsfrauen ausgesetzt sind, müssen im Kontext mit unserem kapitalistischen und damit einhergehend patriarchalen System gesehen werden.
Die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft sind die Ursachen dafür, dass Frauen international benachteiligte Möglichkeiten haben, sich zu entfalten und ihr Leben selbst zu bestimmen. Sie sind überall verschiedensten Unterdrückungs- und Ausbeutungsformen ausgesetzt. Egal ob es die schlechteren Karten im Beruf und die Belastung der Hauptverantwortlichkeit für Haushalt und Kinder sind. Egal ob psychische, physische oder ökonomische Gewalt oder Machtdemonstrationen von Männern gegenüber Frauen. Egal ob Zwangsheirat, Genitalverstümmelung oder sexualisierte Gewalt. Frauen sind all dem ausgesetzt und viele versuchen davor zu fliehen. Diejenigen, die hier vor Ort ankommen, begegnen nicht nur rassistischen Ressentiments, welche alle Flüchtlinge betrifft, sondern erfahren darüber hinaus erneuten Sexismus und damit verbundene Problematiken.
Diese Muster müssen durchbrochen werden! Hierfür gilt es, nicht nur die Bedingungen hier vor Ort zu verbessern und den Rassismus zurückzudrängen, das System, das die Ursachen für die Fluchtgründe und die Bedingungen vor Ort setzt, muss angegangen werden. Der Kapitalismus beherbergt das Patriarchat als Mechanismus, um mehr Profit zu erlangen, Frauen werden nicht als Menschen, als Subjekte, sondern als Objekte gesehen. Solange dies der Fall ist, wird die vollkommene Befreiung der Frau nichts weiter als ein Ideal bleiben. Um diese in die Realität umsetzen zu können, dürfen wir uns weder von Phrasen aus Medien und Politik, noch von Scheinerfolgen blenden lassen, vielmehr müssen wir alle Menschen über die Unterdrückungsmechanismen und ihre Überwindung aufklären.
Gemeinsam müssen wir, Männer und Frauen, gegen den Kapitalismus und der damit einhergehenden Unterdrückung und Ausbeutung der Frau kämpfen!
Die Befreiung der Frau weltweit ermöglichen!

AUSBEUTUNG STOPPEN – Für die Befreiung der Frau!

Am 9. Oktober wurde in Stuttgart das Milaneo eröffnet, ein Einkaufszentrum in dem auch eine Primark-Filiale ist. Die Frauengruppe Stuttgart war Teil eines Bündnisses, das diese Veranstaltung zum Anlass nahm, Kritik an ausbeuterischen Verhältnissen zu üben. Wir organisierten Flashmobs und verteilten folgenden Text.

Wo kommt mein Outfit her? Welche Story erzählt dein Style?

Die Gegenstände, die wir in Supermärkten oder anderen Shops einkaufen, haben einen Ursprung und eine Geschichte, die sich hinter ihnen verbirgt – so auch Kleidung, die wir beispielsweise bei H&M, Esprit oder Primark kaufen. Wir tragen nach einer ausgiebigen Shoppingtour eventuell ein T-Shirt mit einem lustigem Print nach Hause – doch wo kommt dieses T-Shirt her?

Die Situation in den Produktionsländern…

Dieses T-Shirt wurde mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in einer riesigen Fabrik irgendwo in Pakistan, Bangladesch, Indien, Marokko, der Türkei oder Rumänien produziert. 80 % der Angestellten in einer solchen Textilfabrik sind Frauen, die dort arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen oder gar vollständig zu finanzieren. Dazu kommt, dass sie oft trotz der empfohlenen Mindestlöhne der jeweiligen Länder diese nicht erhalten oder jene sowieso schon unter dem Existenzminimum liegen. Die Folge davon ist die eigene Unterernährung sowie die der Familie. Aufstiegschancen sind somit für sie nicht in Sicht. Dieses Schicksal teilen sie aber nicht mit allen Familienmitgliedern. Oft wird den Jungs nämlich zugestanden, in die Schule zu gehen, da man allein aufgrund ihres Geschlechts der Meinung ist, dass nur sie das Recht dazu hätten. Es wird alles versucht, um den jungen Männern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, da sie gesellschaftlich anerkannt werden – Mädchen und Frauen jedoch nicht. Diese haben für die Familie und den Haushalt zu sorgen. Sie werden also aufgrund der Tatsache, dass sie weiblich sind, diskriminiert und unterdrückt.

Prekäre Zustände – keine Extremfälle, sondern Alltag:
- geringe Sicherheitsstandards
- diktatorische Strukturen in den Fabriken
- enormer Leistungsdruck
- sexuelle Belästigung und/oder Übergriffe
- keine Pausen
- bis zu 16-Stunden Arbeitstage

…die Situation hier vor Ort …
Aber auch hier im westlichen Teil der Welt ist die Textil- bzw. Einzelhandelsbranche kein Vorzeigearbeitsplatz. Auch hier machen Frauen den Großteil der Beschäftigten aus und verdienen im Schnitt 23% weniger als Männer bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation. Diese Branche wird grundlegend als „niedere Arbeit“ eingestuft und als typischer Frauenberuf geringer entlohnt. Aufgrund der Tatsache, dass hauptsächlich Frauen darin vorzufinden sind, wird er zudem gesellschaftlich schlechter angesehen. Die meisten Männer in dieser Branche haben höhere Posten inne (Abteilungsleitung, Chef), Frauen bleiben oft ohne Aufstiegsaussichten. Das heißt, dass auch hier Frauen generell schlechtere Chancen haben und weniger Anerkennung erhalten, nur weil sie weiblich sind – auch hier werden Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und unterdrückt.

Arbeitsalltag in Shops, in denen wir Kleidung kaufen:
- Doppelschichten (10 Stunden oder länger)
- dauerhafte Unterbesetzung
- Lohn- und/oder Stundenkürzungen
- Leistungsdruck
- Schönheitswahn (Verkäuferinnen sind „Models vor Ort“ und sollen die zu verkaufende Kleidung für die
Kunden lächelnd und „live“ präsentieren)

…und das heißt?

Es ist kein Zufall, dass sowohl in den Produktionsländern als auch hier mehr Frauen als Männer in Textilproduktion bzw. -verkauf tätig sind, schlechter bezahlt werden und darüber hinaus unter der physischen und psychischen Belastung leiden. denn der Kapitalismus nutzt das Patriarchat und damit die Unterdrückung der Frau, um seine Interessen zu verwirklichen. Wenn wir also den Frauen in den Produktionsländern und auch hier ein besseres Leben ermöglichen wollen, müssen wir das Patriarchat und im gleichen Atemzug den Kapitalismus nicht nur kritisieren, sondern daran arbeiten, beides aufzulösen! Weltweit gilt es sich dafür einzusetzen, dass Frauen nicht aufgrund ihres Geschlechts ausgebeutet werden! Hier können wir damit anfangen – indem wir über diese Zustände aufklären, boykottieren oder uns an Aktionen vor Ort gegen die Unterdrückung hier und weltweit beteiligen!

Für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Diskriminierung und die Unterdrückung der Frau!

Wir kommen um zu stören – AUSBEUTUNG STOPPEN!

Flyer_Ausbeutung_stoppen

Am 9. Oktober werden wir die Eröffnung einer Primark-Filiale im Stuttgarter Milaneo kritisch begleiten. Uns geht es dabei nicht um eine allein auf Primark abzielende Kritik, uns geht es um eine Kritik am Großen Ganzen.
Besonders der Einsturz der Produktionsstätte „Rana Plaza“ in Bangladesch sorgte in der breiten Öffentlichkeit für Empörung. Auch jenseits dieser besonders krassen Katastrophen sind die Bedingungen für die ArbeiterInnen in Fabriken die für Primark produzieren katastrophal. Extrem hohe Arbeitszeiten stehen dabei extrem niedrigen Löhnen, die gerade zum Überleben reichen, gegenüber. Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken gibt es meist nicht. Gewerkschaftliche Organisierungsversuche der ArbeiterInnen an den Produktionsstandorten von Primark werden wo es nur geht behindert. Der allergrößte Teil der Beschäftigten sind hierbei Frauen. Diese leisten die Akkordarbeit in den Fabriken und müssen zudem meist die Reproduktionsabreit in Familie und Haushalt tragen. Für die Profite von Konzernen wie Primark müssen Menschen in Ländern wie Bangladesch ein Leben als ArbeitssklavInnen führen.
Auch in Deutschland steht Primark immer wieder in der Kritik sei es aufgrund gesundheitsgefährdender Textilien oder der versuchten Bespitzelung von ArbeiterInnen bspw. in einer Primark-Filiale in Hannover.
Primark-Flyer-RückseiteBezogen auf Stuttgart geht die Entstehung des neuen Europaviertels, in dem sich das Milaneo befindet, Hand in Hand mit der Vertreibung sozial schwächerer Schichten aus innerstädtischen Vierteln wie dem Eisenbahnerviertel in Stuttgart-Nord. Im Rahmen der Verwirklichung von Prestigeprojekten wie dem „Milaneo“ wird dabei eine Stadtumstrukturierung gegen das Interesse der breiten Bevölkerung betrieben.
Alle diese Auswirkungen sind Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Primark steht hierbei sinnbildlich für dieses Wirtschaftssystem. Wir wollen ein Zeichen gegen Ausbeutung setzen und kommen um zu stören!